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Integrationsteam sieht Wulff und DFB-Elf als Brückenbauer
In der anlässlich seiner Amtseinführung gehaltenen Antrittsrede hat der neue Bundespräsident Christian Wulff die Integration als einen der Schwerpunkte seiner Arbeit genannt: „Die größte Stärke unseres Landes sind die Menschen, die hier leben“, so Wulff am 2. Juli 2010 vor der Bundesversammlung. „Ihre Vielfalt, ihre Talente machen Deutschland lebens- und liebenswert.“
Wulff verneint jedoch nicht den enormen Handlungsbedarf, der auf dem Gebiet der Integration besteht: „Wann wird es selbstverständlich sein, dass unabhängig von Herkunft und Wohlstand nicht nur gleiche Bildungschancen gewährt werden, sondern dass auch alle Kinder, die hier groß werden, die deutsche Sprache beherrschen, auch die deutsche Sprache neben ihrer Muttersprache gut beherrschen? Wann wird es selbstverständlich sein, dass jemand mit den gleichen Noten die gleichen Aussichten bei einer Bewerbung hat, egal ob er Yilmaz oder Krause oder anders heißt?“
Angesichts neuerer Migrationsstudien wie der vielzitierten Berlin-Studie von 2009, die bewusst machen, dass Deutschland gerade erst am (vielversprechenden) Anfang des Integrationsprozesses ist, kommt auf den neuen Bundespräsidenten und unsere Gesellschaft viel Arbeit zu.
Mit der Ernennung von Aygül Özkan zur Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration in Niedersachsen hatte Wulff jedoch bereits als niedersächsischer Ministerpräsident einen deutlichen Akzent in Sachen Integration gesetzt. Der Amtsantritt der ersten muslimischen Ministerin in Deutschland markierte geradezu einen Richtungswechsel in der deutschen Integrationspolitik. Ihre Erfolgsgeschichte ist für viele positives Vorbild und ein Signal für junge Migranten, dass eine wie auch immer geartete Karriere unabhängig von der kulturellen Herkunft möglich ist.
Auch unter dem Eindruck der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft, bei der das junge und multikulturelle deutsche Team durch seine Erfolge das ganze Land begeistert, rückt die Tatsache, dass Migranten unser Land heute prägen, in den Vordergrund. Die Medienlandschaft bejubelt Özil, Cacau und Podolski einhellig, der Stern titelt am 1. Juli 2010: „Özil & Co. Wie Migrantenkinder das WM-Team beflügeln – ein Modell für Deutschland“.
Natürlich werden die Spieler der DFB-Elf, die das Land so geschlossen in Euphorie versetzen, vor allem deshalb bejubelt, weil sie Leistung bringen und Ausnahmetalente sind. Siegertypen sind per se beliebt. Aber sie lenken die Aufmerksamkeit auch auf das lange sträflich vernachlässigte Phänomen der Integration von Zuwanderern.
In Ahlen haben fast 30 % der Bürger eine Zuwanderungsgeschichte – eine Herausforderung für unsere Stadt. Denn wer fordert, muss auch fördern und die benötigten Hilfen – sei es auf sprachlicher oder sozialer Ebene – bereitstellen. Die Vernetzung von Kommune und Wohlfahrtsverbänden hat sich hier sehr bewährt, auch wenn die Stärke der Vielfalt noch stärker genutzt werden kann.
Und doch prägen die Ahlener mit Zuwanderungsgeschichte unsere Stadt vor allem positiv, sei es durch ehrenamtliches Engagement oder als Ausrichter der vielen Feste, die es in Ahlen gibt. Unsere „bunte Republik Deutschland“ (Wulff) profitiert von den neugewählten Integrationsräten genauso wie von der gesellschaftlichen Mitwirkung der Migrantenorganisationen, von erfolgreichen AbsolventInnen der Integrationskurse wie der weiterführenden Schulen.
Der Bundespräsident hat es treffend ausgedrückt: „Wenn wir weniger danach fragen, woher einer kommt, als danach, wohin er will, wenn wir nicht mehr danach fragen, was uns trennt, sondern was uns verbindet, auch die monotheistischen Weltreligionen, dann wird das Zusammenleben in unserem Land menschlicher und zugleich erfolgreicher sein.“

