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Stellungnahme des Integrationsratsvorsitzenden zu dem Besuch Sarrazins in Ahlen
Die Mittelstandsinitiative Ahlen (MIA) hat Thilo Sarrazin, der Autor des umstrittenen Buches „Deutschland schafft sich ab“, für November nach Ahlen eingeladen. Hierzu bezieht der Integrationsrat der Stadt Ahlen Position.
Stellungnahme des Integrationsrates zum „MIT“-Tag am 29. November
Unsere Stadt Ahlen ist eine sehr vielfältige und bunte Stadt. In der Integrationsarbeit gehört Ahlen zu den vorbildlichsten in ganz NRW. Umso mehr erstaunt es, dass ein Referent, der als „Spalter der Nation“ gilt, nach Ahlen eingeladen wird.
In der Integration geht es in erster Linie darum, Brücken zu bauen, Menschen einander näher zu bringen und so Vorurteile abzubauen. Ahlen geht bereits darüber hinaus. In unserer Stadt wird Integration mittlerweile abseits von Veranstaltungen, also im privaten Leben, im wahrsten Sinne des Wortes gelebt. Zahlreiche Integrationsakteure haben in den letzten Jahren ihre Aktivitäten deutlich erhöht, aber auch neue „Brückenbauer“ sind dazugekommen.
Diese Ahlener investieren (oftmals ehrenamtlich) viel Zeit für das Gelingen einer
erfolgreichen Integration in Ahlen. Für diese Menschen ist diese Einladung ein „Schlag ins Gesicht“ und eine Provokation. Doch auch viele Menschen mit Migrationshintergrund wurden provoziert, da sie diffamiert und stigmatisiert wurden. Wenn doch der ehemalige Finanzsenator Berlins so kompetent ist und wissenschaftlich arbeitet, wo bleibt die Differenzierung?
Viele erfolgreiche Menschen mit Migrationshintergrund wurden zu Unrecht in die Kategorie Problem gesteckt. Vielleicht hätte man doch mehr über diese Menschen, die übrigens die Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe darstellen, gesprochen, als über den kleineren Anteil eher herausfordernden Anteil. Kein Wunder, dass sich viele Ahlener mit und ohne Zuwanderungsgeschichte bei uns über den SPD-Mann geärgert haben.
Ich bin froh, dass wir in Ahlen einen ganz anderen und wohlbemerkt erfolgreicheren Ansatz haben. Uns geht es darum, dass wir ein friedliches Klima entwickeln und jeden Menschen in seiner Individualität betrachten. So sind wir vorangekommen und werden das weiter so handhaben. Wir schaffen in Ahlen eine Basis für friedliches Zusammenleben. Das bedeutet gleichzeitig nicht, dass wir Probleme ausblenden. Der ehemalige Finanzsenator hat einen anderen Ansatz und bisher habe ich keinen Nutzen für die Integration erkennen können.
Als Vorsitzender des Integrationsrates betone ich, dass es sich in der Integration um einen zweiseitigen Prozess handelt, in dem alle beteiligt sind. Daher sollte man anerkennen, dass es viele Befürworter dieser Person gibt, die man ernst nehmen sollte. Das halte ich auch für legitim, doch möchte ich mit dieser Stellungnahme auch den Appell richten, sich ein breites und differenziertes Bild zu machen und auch positive Entwicklungen zu sehen. Grundsätzlich halte ich die Einladung des ehemaligen Berliner Finanzsenators für unnötig, da sich einfach viele Ahlener mit und ohne Migrationshintergrund emotional verletzt fühlen.
Andererseits glaube ich nicht, dass Ahlen dadurch in der Integrationsarbeit zurückgeworfen wird, da diese Stadt im Integrationsprozess so weit entwickelt ist, dass sie mit so einer Veranstaltung umgehen kann. Diese Stadt ist schon längst bereit sich mit dem „Spalter der Nation“ vor Ort auseinanderzusetzen.

